21.02.2019

Der Tag des Vaterlandsverteidigers – der inoffizielle „Männertag“ Russlands

Am 19. März steht unser nächster »Pretzels & Culture« Workshop mit dem Schwerpunkt Russland an. In diesem Beitrag widmen wir uns – sozusagen als Vorbereitung auf den Workshop – einem sehr besonderen Feiertag in Russland.

Am 23. Februar 1918 habe die sowjetische Armee den Petrograd durch den Sieg über die deutsche Armee des Kaisers verhindert, so der Mythos. Das nie stattgefundene Szenario – die sowjetischen Soldaten desertierten, bevor ein Kampf stattfand – wurde von Stalin in den 30ern zur Förderung des Nationalstolzs rückwirkend erdacht und im zweiten Weltkrieg zur Anhebung der Soldatenlaune instrumentalisiert. Der Tag selbst wurde erstmals 1922 und zunächst als symbolischer Gründungstag der roten Armee unter Lenin gefeiert, bis er 1991 abgeschafft und 2002 wieder eingeführt wurde.

Der Tag des Vaterlandsverteidigers ist ein gesetzlicher Feiertag, an dem Schulen sowie die meisten Läden geschlossen bleiben und der Verkehr durch öffentliche Militärparaden eingeschränkt wird. Präsident und Führungsriege besuchen das Grabmal des unbekannten Soldaten im Alexandergarten am Kreml und gedenken dort den verstorbenen Soldaten des zweiten Weltkriegs. In Moskau selbst endet der Tag mit einem Feuerwerk, wobei der Wodka landesweit auch schon gerne mal am frühen Abend getrunken wird.

Eigentlich ist der Tag den russischen Soldaten gewidmet. Da sich aber potenziell jeder Mann mit der Rolle des Vaterlandsverteidigers identifizieren kann, unabhängig davon, ob er der Armee dient oder nicht, gilt er zugleich als eine Art „Männertag“.

An diesem gratulieren Partnerinnen ihren Partnern und beschenken sie beispielsweise mit Rasierklingen und -schaum, Krawatten oder Hüten. Kolleginnen warten gemeinsam mit eigens überlegten Aktionen auf und Schülerinnen bringen ihren Mitschülern eine kleine Aufmerksamkeit mit.

Die meisten russischen Männer wünschen sich etwas Nützliches und/oder Kreatives, werden aber oft mit einem Überfluss an Rasierschaum beschenkt und bezeichnen den Tag auch humorig als den „Gesamtrussischen Tag des Rasierschaums“. Als stille Form des Protests und der Prävention gilt auch das Horten von Rasierschaum, Kölnisch Wasser und Aftershave kurz vor dem Feiertag, um die Frauen zum kreativen Schenken zu bewegen.

Am 8. März, dem Internationalen Tag der Frauen, kann sich jeder Mann revanchieren, u. a. bei den über 326.000 Frauen, welche im russischen Militär arbeiten, darunter 45.000 Vaterlandsverteidigerinnen.

Spannend, oder? Sie wollen tiefer in die russische Seele eintauchen? Dann melden Sie sich gleich zum Workshop am 19. März unter: https://www.compass-international.de/veranstaltungen/detail/workshop/2019-03-19-pretzels-cultureskurzanleitung-russland/ an – Ihr schwäbisch-globaler Trainer Karsten Theis und wir freuen uns auf Sie!

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