10.01.2019

Japanisches Neujahr Teil 1

Unsere Workshopreihe Pretzels & Cultures geht in diesem Jahr in die zweite Runde! Am 05. Februar starten wir mit einem Kurztrip nach Japan. Und zur Einstimmung macht uns Roland Linke mit den Ritualen rund um das japanische Neujahr vertraut.

Die Vorbereitungen für das Japanische Neujahr
Das japanische Neujahr, Oshōgatsu (お正月), spielt für JapanerInnen eine weitaus größere Rolle als etwa Weihnachten. Die Vorbereitungen finden hierzu bereits im Dezember statt und sind so bedeutsam, dass viele Firmen vom 29. bis 03. Dezember schließen, um den MitarbeiterInnen die zur Vorbereitung erforderliche Zeit zur Verfügung zu stellen.

Sie beginnen mit dem sogenannten Bōnenkai (忘年会), dessen Bezeichnung sich aus den Schriftzeichen für „vergessen“, „Jahr“ und „Versammlung“ oder „Treffen“ zusammensetzt. An diesem Abend, der an einem Tag im Dezember stattfindet, können Vorgesetzte und Angestellte das Jahr gemeinsam ausklingen lassen und sich, unter Alkoholeinfluss und mit gelockerter Zunge, auch fernab hierarchischer Zwänge den Frust von der Seele trinken und reden.

Bis zum 25. Dezember werden die Neujahrskarten an alle Kontakte verschickt, mit denen man sich in den letzten 12 Monaten privat oder geschäftlich ausgetauscht hat. Die japanische Post stellt eigens hierfür Briefkästen auf und Hilfskräfte ein, um die Zustellung bis zum 1. Januar zu garantieren. Geschäftspartner und Bekannte, mit denen man eine tiefe bzw. bereits länger andauernde Beziehung pflegt, erhalten wiederum spezielle Geschenke. Keine Ideen? Kein Problem! Kaufhäuser bieten fertig gepackte Geschenkpakete an. Wer es dennoch selbst schicken möchte, kann ganz pragmatisch auf Waschmittel oder edle Wurstsorten zurückgreifen – die Geste zählt vor dem Inhalt!

Weiter geht´s mit Susuharai (煤払い), dem Neujahrsputz, in dessen Rahmen der Staub in den eigenen vier Wänden sowie in Kaufhäusern und Tempeln weggewischt wird. Damit die Jahresgötter, die Toshigami (年神), den Weg in die frisch geputzten Räumlichkeiten finden, muss eine spezielle Dekoration bis zum 28. Dezember aufgestellt werden. Wird dieses Datum verpasst, bleibt nur noch der 30. Dezember, da die „neun“ im Japanischen auch für „leiden“ steht und der 29. somit keine Option ist. Der 31. Dezember gilt als zu kurzfristig und unhöflich gegenüber den göttlichen Besuchern.

Ōmisoka (大晦日), das japanische Sylvester, stellt nur den Beginn der Neujahrsfestivitäten dar und wird somit ohne Feuerwerk gefeiert. Da viele JapanerInnen Großstädte, wie etwa Tōkyō oder Ōsaka, vordergründig der Arbeit wegen aufsuchen, herrscht eine ungewöhnliche Leere dort, während die Zeit mit der Familie (in der Heimat) verbracht wird.

Abgerundet wird das Zusammenkommen mit dem Verzehren von glücksbringenden Speisen und der Fernsehübertragung des jährlichen Gesangswettstreits, welcher einen ähnlichen Stellenwert und eine gefestigte Tradition hat, wie das in Deutschland beliebte „dinner for one“. Hierbei tritt ein Männer- gegen ein Frauen-Team an und deren Leistung wird kurz vor Mitternacht von einer Jury bewertet.

Das war aber noch nicht alles, eine Fortsetzung folgt im nächsten Blog! Mehr über dieses Thema erfahren Sie dann am 05. Februar von Tom Staender, der mit Ihnen tiefer in die japanische Kultur eintauchen wird: https://www.compass-international.de/veranstaltungen/detail/workshop/2019-02-05-pretzels-cultureskurzanleitung-japan/

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