25.06.2020

Kennen Sie schon www.nohello.com?

„Hello …“ Etwas später: „Hello Daniel …“ und noch etwas später: „I have a short question …“

Kennen Sie das aus dem Chat? Da kommt ein „Hello …“ und sonst nichts – erstmal zumindest. Das ist jetzt kein typisches interkulturelles Ding, soll heißen auch deutsche Kolleg*innen können so kommunizieren, sehr oft sind es aber doch die internationalen Kolleg*innen.

 

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Interkulturell betrachtet

Woran könnte es liegen, dass die Internationals gerne erstmal nur ein „Hello“ senden? Vermutlich gibt es dafür folgende Gründe:

Erstens: das Thema Hierarchie – vielleicht ist Daniel ja der Vorgesetzte und da möchten Ashok oder Vitória nicht gleich mit der Türe ins Haus fallen und so klopfen sie zunächst vorsichtig an.

Zweitens: das Thema Kommunikationsverhalten – die meisten Kulturen kommunizieren sehr viel indirekter als wir Deutsche dies tun und suchen somit einen langsamen Gesprächseinstieg. Eine Mail, die nur aus einer knackigen Betreffzeile besteht, würden Ashok oder Vitória nie versenden und finden solche Mails auch sehr gewöhnungsbedürftig. Gleiches gilt ebenso für einen Chat.

Eine indirekte Kommunikation braucht Kontext und ist beziehungsorientiert – man fragt im ersten Schritt nach dem Befinden, sucht Gemeinsamkeiten und kommt erst in Schritt drei, vier oder fünf auf das eigentliche Anliegen. Für ‚Direktkommunizierer‘ ist das Anliegen oft so hübsch verpackt, dass es auf Anhieb gar nicht verstanden wird.

Und umgekehrt wird ein einzelner Satz, eine einzeilige Frage oft als unhöflich verstanden, mit der Folge, dass hier gar keine Antwort erfolgt.

Es geht um das „Was“ oder um das „Wie“

Bei der direkten Kommunikation geht es um das „Was“, um Objektivität, um Fakten – unabhängig ob es sich um etwas Positives oder Negatives handelt. Dazu gehört in der Regel auch der direkte Blickkontakt, denn dieser signalisiert Offenheit, Ehrlichkeit und Aufmerksamkeit.

Indirekte Kommunikation hat eher das „Wie“ im Fokus – es geht um Harmonie. Negative Themen werden daher immer gut verpackt, um das Gegenüber nicht bloß zu stellen. Eher indirekt kommunizieren Ihre Kolleg*innen und Kund*innen zum Beispiel aus Asien (China, Korea, Japan, Indien), aber auch aus Lateinamerika, der Türkei oder dem arabischen Raum. Auch wird öfter der direkte Blickkontakt vermieden, da dieser als aggressiv bewertet wird.

Diese unterschiedlichen Kommunikationsstile sorgen immer wieder für erhebliche Missverständnisse oder führen zu Konflikten. Auch weil es uns nicht leichtfällt, diesen Stil mal eben so zu verändern. Und: Wir behalten unseren Stil in der Regel auch bei, wenn wir in eine andere Sprache wechseln – außer, wenn beide Sprachen Muttersprachen sind.

Was dagegen tun?

Sich der unterschiedlichen Kommunikationsstile bewusst werden. Den anderen Kommunikationsstil üben und ausprobieren und die eigene Art zu kommunizieren im Gespräch aktiv zum Thema machen.

Oder im Chat als Antwort auf ein „Hello“ einfach mal den Link zu www.nohello.com verschicken! Denn dort findet sich eine nette Erklärung, dass es doch gut sein kann, gleich zur Sache zu kommen!

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