Was ist eigentlich interkulturelle Kompetenz?
05.05.2021

Was ist eigentlich interkulturelle Kompetenz?

Eine Frage, die uns immer wieder gestellt wird.

Interkulturelle Kompetenz gilt als DIE Schlüsselqualifikation unseres Jahrhunderts. Globalisierung und Internationalisierung sind so weit fortgeschritten, dass kaum noch jemand nicht täglich in multikulturellen Kontexten unterwegs ist. Interkulturelle Kompetenz verleiht Fähigkeiten, damit diese Zusammenarbeit nachhaltig gelingt.

 

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Die Zusammenarbeit über Kulturen hinweg verläuft nicht immer reibungsfrei, sondern ist nach wie vor oft geprägt von Missverständnissen oder Konflikten. Im interkulturellen Kontext bewegen wir uns zwischen unserer eigenkulturellen und einer fremdkulturellen Prägung, was einzelne Situationen komplex werden lässt. Können wir interkulturell kompetent agieren, heißt das, dass wir in diesen komplexen Situationen besser den Überblick behalten, weniger gestresst sind und angemessen mit der Situation, die uns weniger fremd ist, umgehen können.

In jeder Situation – auch im eigenen kulturellen Kontext – handeln wir mit unserem Gegenüber aus, wie ein „angemessenes Vorgehen“ aussieht. In unserer eigenen Kultur kennen wir die Regeln und Konzepte, wie wir zum Beispiel mit einem Konflikt umgehen oder welche Erwartungen wir an den Chef oder die Chefin haben. Was aber, wenn der Kollege, die Kollegin ein völlig anderes Konzept zu einem Konfliktgespräch hat? Was, wenn die Chefin oder der Chef unter Führung etwas versteht, was uns unbekannt ist? Eine solche interkulturelle Interaktion ist immer ein Aushandlungsprozess: „Wie ist deine Herangehensweise? Wie ist meine? Wo können wir uns treffen?“ So entstehen neue Konzepte und Regeln für das Miteinander, in multikulturellen Teams entsteht meist eine neue, ganz eigene Teamkultur.

Das macht schon deutlich, dass interkulturelle Kompetenz keine Kompetenz ist, die wir mal „andocken“ oder gesondert erlernen können. So gehören zu unseren allgemeinen Handlungskompetenzen:

  • Fachkompetenz, also Berufserfahrung, Fachkenntnisse im beruflichen Bereich,
  • soziale Kompetenz, Empathie, Toleranz, Team- und Anpassungsfähigkeit, Networking,
  • individuelle Kompetenz wie Lernbereitschaft, Rollendistanz, Ambiguitätstoleranz und
  • strategische Kompetenz, wie Organisationsfähigkeit, Wissensmanagement, Problemlöse- und Entscheidungsfähigkeit.

Interkulturelle Kompetenz erstreckt sich über alle vier genannten Kompetenzen, sprich, wir erweitern diese um den Faktor Kultur und kennen die Muster, nach denen eine andere Kultur agiert.

Wann agieren wir kultursensibel?

Das tun wir, wenn wir

  • unser eigenes Wertegerüst kennen und dieses an andere Gegebenheiten anpassen können.
  • Bewusstsein für Unterschiede aufbauen sowie uns Wissen aneignen, woher die Unterschiede kommen und welche es konkret sind.
  • Bewusstsein und Wissen „übereinander legen können“ und authentisch bleiben (sprich, die eigenen Grenzen kennen und auch artikulieren können).

Das bedeutet auch, dass wir andere kulturelle Muster nicht einfach hinnehmen oder akzeptieren, sondern dass wir uns wie auch „die Anderen“ immer wieder reflektieren, die Perspektive wechseln, eigene und fremde Positionen hinterfragen und nicht vorschnell in „richtig“ oder falsch“ einordnen, sondern „anders“ als dritte Möglichkeit immer mit in Betracht ziehen.

Wir sind davon überzeugt, dass kultursensibles Handeln nur gelingt, wenn ich mir über meine eigene kulturelle Prägung bewusst bin und weiß, was die Besonderheiten meiner eigenen Kultur sind. Dann kann ich quasi „im Kontrast“ zu einer anderen Kultur erkennen, wo sich Muster unterscheiden.

So stehen zum Beispiel in unseren Seminaren zur interkulturellen Sensibilisierung wie auch in unserem E-Learning die deutschen Gewohnheiten im Mittelpunkt. Denn oft gehen wir davon aus, dass zum Beispiel unser Verständnis von Hierarchie, unser Umgang mit Zeit oder unsere Konfliktlösungsstrategien „allgemeingültig“ sind. Wenn wir mehr über solche kulturellen Muster wissen, fällt es uns leichter zu erkennen, wo es für „die Anderen“ schwierig in der Zusammenarbeit werden könnte.

Die gute Nachricht ist: Unsere kulturelle Prägung ist erlernt. Bedeutet: Wir können dazu lernen!

Zum Beispiel mit unserer neuen E-Learning-Plattform – der e-ACADEMY – Ihrer Toolbox für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit!

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