Muttersprache Deutsch – Diskriminierung in Stellenanzeigen
05.06.2020

Muttersprache Deutsch – Diskriminierung in Stellenanzeigen

Elke Müller warnt vor Diskriminierung in Stellenanzeigen und zeigt auf, wie man diese alternativ gestalten kann

Seit August 2006 gibt es bereits das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das ‚Benachteiligung aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen soll.‘ Was ist seither geschehen? Elke Müller, Expertin für interkulturelle Kompetenz, beschäftigt sich intensiv mit Themen rund um Diversity und Gleichberechtigung und weiß, dass hier noch Verbesserungsbedarf besteht

„Was macht dann eine Aussage oder Anforderung wie ‚Muttersprache Deutsch‘ in einer Stellenanzeige? Eine eigene Recherche ‚nur‘ nach dem Kriterium ‚Muttersprache Deutsch‘ und nur für Jobs in Baden-Württemberg ergab schon auf einer einzigen Jobplattform ein Ergebnis von 539 Jobs, bzw. Stellenanzeigen mit dieser Anforderung. Und diese reichten vom Baggerfahrer bis hin zum Volljuristen, von Junior Consultant bis Augenoptiker“, erklärt Müller.

Die Konsequenzen einer solchen Formulierung seien weitreichend. Zum einen könne diese durchaus als eine Diskriminierung der ethnischen Herkunft interpretiert werden und zum anderen könnten hierdurch qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber ausgeschlossen werden, weil sie beispielsweise Deutsch lediglich als Zweit- oder Drittsprache erlernt haben, es aber dennoch fließend beherrschen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von compass international sind sich einig: „Hier fehlt es an der Sensibilität, welche Wirkung Worte haben.“ Elke Müller schlägt vor: „Wie wäre denn ‚Deutsch auf Niveau C1/C2‘ – was ja nahezu muttersprachliche Sprachbeherrschung bedeutet. Oder ‚Deutsch verhandlungssicher‘ – auch das setzt einen sehr guten Umgang mit Sprache voraus. Und beides wäre nicht mehr diskriminierend.“ Alternativ könnten auch „gute deutsche Sprachkenntnisse“ gefordert werden. „Die lassen sich ja in einem Vorstellungsgespräch oder auch nur einem Telefonat ganz gut überprüfen“, fügt Elke Müller, interkulturelle Trainerin, Coach, Organisationsentwicklerin und Geschäftsführerin von compass international, abschließend hinzu.

zurück