Ist das nicht viel zu umständlich – eine Policy für die „Internationals“?
07.06.2022

Ist das nicht viel zu umständlich – eine Policy für die „Internationals“?

Gegenfrage: Ist es nicht viel umständlicher, bestimmte Themen bei der Einstellung eines jeden internationalen Mitarbeitenden neu zu verhandeln? Eine verbindliche Richtlinie, die Teil des Arbeitsvertrages ist, schafft Verbindlichkeit, regelt die Rechte und Pflichten für das Unternehmen und neuen Mitarbeitenden und sorgt für Transparenz. Das sollten schon ausreichend Gründe sein, sich ernsthaft mit diesem Thema zu beschäftigen.

Shutterstock.com | djile

In vielen Unternehmen gibt es eine „Unternehmensrichtlinie“ oder Policy, die Entsendungen ins Ausland regelt: Welche Zusatzleistungen werden gewährt? Welche Zuständigkeiten gibt es? Wer ist wofür verantwortlich?

Warum dieses nicht auch für die “Internationals“ einmal niederschreiben?

Wenn die Rekrutierung im Ausland eine strategische Entscheidung ist, um gezielt benötigte Fachkräfte zu werben, ist es sinnvoll, eine entsprechende Richtlinie zu etablieren. Diese schafft Klarheit und sorgt dafür, dass im Vorfeld kein wichtiges Thema vergessen wird und vor allem, dass alle internationalen Mitarbeitenden gleichbehandelt werden.

Gerade wenn Ihre Organisation noch wenig Erfahrung mit der Rekrutierung und Einstellung internationaler Mitarbeitender hat, sind relevante Themen oft gar nicht präsent. Da wird eher erwartet, dass alles so läuft, wie bei jeder Einstellung, unabhängig, ob der neue Kollege aus München oder Sao Paulo kommt. Beide Seiten sind dann überrascht, wie viele Fragen zu klären sind und wo internationale Kolleg*innen auf zielgerichtete Unterstützung angewiesen sind – weil sie die Sprache nicht beherrschen, weil sie typisch deutsche Prozesse nicht kennen können, und, und, …

Vergessen wir nicht: Nachdem der Arbeitsvertrag unterzeichnet ist, befinden wir uns in der Voreintrittsphase, in der enorm viel zu regeln und zu organisieren ist. Kommt die neue Kollegin aus einem Drittstaat, geht es nun darum, das entsprechende Visum zu beantragen, eventuell Abschlüsse anerkennen zu lassen und im besten Fall schon mit der Sprachqualifizierung zu beginnen. Diese Wochen, in vielen Fälle sogar Monate, bis zum tatsächlichen Arbeitsbeginn sind geprägt von Vorfreude und großer Unsicherheit. – auf beiden Seiten. Da kann eine Policy Abhilfe schaffen.

Warum ist ein zusätzliches Dokument nötig?

Benefits könnte man doch auch im Arbeitsvertrag regeln! Klar, könnte man, es geht aus unserer Sicht aber um viel mehr, als nur die Benefits oder die Pflichten beider Seiten. Es geht um das Onboarding, um Sicherheit, um klare Prozesse und um Transparenz. Vor allem diese wird sichtbar, wenn alle sehen, dass es keine individuellen Regelungen sind, sondern für alle internationalen Kolleg*innen das gleiche gilt. Denn: Seien Sie sicher, Ihre Internationals reden untereinander offen über Gehälter, über die gemachten Erfahrungen beim Onboarding und werden auf Sie zukommen, wenn sie Unstimmigkeiten oder vermutete Ungleichbehandlung wahrnehmen!

Empfohlene Inhalte der Policy

Wir finden, dass eine gute Policy damit beginnt, dass die Unternehmenskultur, Philosophie und Werte Ihrer Organisation beschrieben werden. Das sind wichtige Themen im Sinne des Erwartungsabgleiches und es lassen sich daraus gut die weiteren Inhalte ableiten, so dass ein stimmiges Bild entsteht.

Die Inhalte sollten u.a. ansprechen:

  • Wie schnell sollen die neuen Kolleg*innen Deutsch lernen?
  • Haben ihre Sprachkenntnisse Einfluss auf die Probezeit oder auf eine andere Beurteilung?
  • Gibt es Unterstützung bei der Wohnungssuche und den Behördengängen oder ist ein interkulturelles Training fester Bestandteil der Einarbeitung?
  • Wie werden Kosten verteilt, sollte es zur vorzeitigen Kündigung kommen?
  • Wann wird die Familie unterstützt und mit welchen Leistungen?

Dies sind alles Themen, die ein Arbeitsvertrag in der Regel nicht abdeckt und nicht für jede*n Bewerber*in neu zu verhandeln sein sollten.

Sie wollen mehr zum Thema Policy erfahren? Dann melden Sie sich doch gleich zu unserem Workshop am 23. Juni 2022 an! Um 16:00 Uhr stehen Ihnen die Experten Elke Müller und Thomas Schifferdecker von der IHRAS GmbH für Ihre Fragen zur Verfügung.

zurück